Geschichte der Heilpraktiker

„Heilpraktiker“ in der Antike
Der Beruf des Heilpraktikers ist keine Erfindung der Neuzeit. Er hat vielmehr eine lange Tradition, die sich im Laufe der Jahrhunderte zum heutigen Berufsbild entwickelt hat. So liegen die Wurzeln des Heilpraktikerberufes in der Erfahrungsheilkunde, die schon weit vor Christi Geburt durch Vertreter wie Hippokrates praktiziert wurden. Aber auch das Denken und medizinische Handeln von Druiden, Medizinmännern und Schamanen kann in Grundansätzen als Vorform des heutigen Heilpraktikerberufes angesehen werden.

Naturheilkunde im Mittelalter
Medizinische Behandlung auf der Basis naturkundlichen Wissens taucht im gesamten Verlauf der Geschichte immer wieder auf und findet im Mittelalter ihren Ausdruck im Schaffen und den Lehren von Hildegard von Bingen und Paracelsus. Auch offizielle Verbote, die nicht approbierten Personen die medizinische Behandlung untersagte, unterband nicht, dass naturkundliche Heiler inoffiziell nach wie vor praktizierten. Diese Verbote sind im Verlaufe der Geschichte immer wieder zu finden.

Die Jahre 1869-1873 stellen für den Heilpraktikerberuf eine deutliche Wende dar. Im Laufe dieser Jahre wurden in ganz Deutschland sämtliche Verbote komplett aufgehoben und auch Nicht-Ärzten wurde das Ausüben heilkundlicher Medizin offiziell gestattet. Die Heilkundigen organisierten sich in den folgenden Jahren in Vereinen wie Schüßler-Heiler oder auch Kneip-Heiler. Auch der Verein Deutsche Magnetopathen wurde gegründet.

Der Beruf des Heilpraktikers im Nationalsozialismus
Im Nationalsozialismus wurde 1939 die erste Fassung des Heilpraktikergesetzes erlassen, die zum einen das Ausführen des Berufes nur mit einer Sondergenehmigung gestattete und zum anderen ein Verbot für Ausbildungsstätten enthielt. Das Ausüben des Berufes durch Sondergenehmigungen aufrecht zu erhalten war nötig, um eine medizinische Versorgung der Massen zu gewährleisten, da Ärzten jüdischer Abstammung ein komplettes Berufsverbot erteilt worden war. Die Arbeitserlaubnis als Heilpraktiker mit Sondergenehmigung zu arbeiten, stellte sicher, dass nur dem Regime positiv gesonnene Personen praktizieren durften.
Erst 1952 wurde das Ausbildungsverbot als verfassungswidrig erklärt. Seit diesem Zeitpunkt kann jeder, der sich vor dem Gesundheitsamt einer Fachprüfung unterzieht, als Heilpraktiker tätig werden.

Heilpraktiker im 21. Jahhundert
Auch heutzutage ist das Bestehen der Heilpraktikerprüfung vor dem Gesundheitsamt zwingend nötig, um als Heilpraktiker praktizieren zu dürfen. Die Anforderungen sind hoch (die Durchfallquote liegt bei 60%) und bedarf daher einer gründlichen und fundierten Ausbildung, die in der heutigen Zeit in speziellen Heilpraktikerschulen angeboten wird.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 5.7/10 (14 votes cast)
Geschichte der Heilpraktiker, 5.7 out of 10 based on 14 ratings